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Bürgerstiftung gewinnt an Bedeutung

Ohne die Bürgerstiftung Halterner für Halterner würde unserer Stadt etwas fehlen“, so begann die Vorstandsvorsitzende Dr. Reinhild Tuschewitzki ihren Bericht beim 20-jährigen Treffen der Stifterinnen, Zustifter und Förderer im Schloss Sythen. Vor mehr als 20 Jahren erkannte Beate Mertmann, die Initiatorinder Bürgerstiftung den Wert und Bedarf einer Bürgerstiftung für Haltern und ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger. Gespräche mit dem Caritasverband bestätigten ihr, dass auch in Haltern Menschen am Rande der Gesellschaft, z.T. in prekären Situationen leben. Eine Bürgerstiftung kann in solchen Fällen, wenn staatliche Hilfen ausgeschöpft sind, rasch, unbürokratisch und vertraulich helfen. 

2006 trugen 83 Anstifter 250.000 Euro als Gründungskapital zusammen, dessen Erträge neben den zusätzlich einzuwerbenden Spenden für die breitgefasste satzungsgemäße Arbeit zur Verfügung stehen. Maik Schrief, der Geschäftsführer, wusste zu berichten, dass sich das Stiftungsvermögen, das auf ewig angelegt ist, in den 20 Jahren durch Zustiftungen und zwei Erbschaften auf ca. 1.759.500 Euro erhöht, also versiebenfacht hat. Das liegt auch daran, dass die Bürgerstiftung an Bekanntheit und Bedeutung gewonnen hat. Sie sei ist zu einer verlässlichen, vertrauenserweckenden, in der ganzen Stadt gut vernetzten Institution geworden, ihre Unabhängigkeit dabei wohl bewahrend. 

Herausragende Projekte begleiten die Bürgerstiftung durch ihr Jubiläumsjahr. Das „Musical 1648“, die Friedensverhandlungen von 1648 aufgreifend, gastierte Anfang des Jahres in der Aula vor begeistertem Publikum. Die Schülerinnen und Schüler der 8. – 11. Klasse durften im Anschluss mit Hilfe von Theaterpädagogen eine etwas andere Geschichtsstunde über Krieg, Frieden und Friedensverhandlungen erleben. Im Mai richtete die Bürgerstiftung auf dem Marktplatz ihren 4. Bürgerbruch aus, den die Gäste bei sommerlichem Wetter zum Frühstücken als große Festgesellschaft genossen. Ein sichtbares und nachhaltiges Zeichen stiftete die Bürgerstiftung zum 20-Jährigen mit Freundschaftsbänken für alle Halterner Grundschulen, die von den Kindern gerne genutzt werden. 

Für den 20 November konnten die Physikanten mit ihren „Best of Experimenten“ in die Aula geholt werden, wo sie Physik unterhaltsam und verständlich präsentieren. 

„Neben diesen besonderen Projekten wurden aber die satzungsgemäßen Aufgaben der Bürgerstiftung nicht vernachlässigt“, erklärte Reinhild Tuschewitzki. Der Geschäftsbericht von 2026 zeigt, dass in die Förderung für alle Generationen und inklusive Gruppen 11.000 Euro geflossen sind. Die Bürgerstiftung unterstützte zahlreiche Aktionen, so konnten mehrere einkommensarme Familien einen erlebnisreichen Ferientag im Ketteler Hof verbringen, 12 Kindern wurde ein Seepferdchenkurs ermöglicht und zwei Kitas erhielten neue Trikots für das Kindergarten Fußballturnier. 

Für Senioren organisierte die Bürgerstiftung gemeinsam mit dem Rotary Club einen Seniorennachmittag gegen Einsamkeit und erfüllte den Wunsch der Seniorinnen vom Lambertusstift in Lippramsdorf, einen gemeinsamen Ausflugnach Haltern zu unternehmen. Das Weihnachtswichteln als Zeichen der Gemeinschaft in der Seniorenresidenz in Sythen erfreute die dortigen Bewohner. 

Im Bereich Bildung sorgte die Bürgerstiftung dafür, dass der begleitende Elternabend zum Präventionsprogramm „Mein Körper gehört mir“ für die 3. und 4. Grundschulklassen gegen sexuellen Missbrauch stattfinden konnte. Beim Präventionsprojekt „Stark auch ohne Muckis“ im Kindergarten geht es um achtsamen und respektvollen Umgang mit sich selbst und anderen. 

Die Unterstützung von Kindern aus einkommensarmen Familien, die sonst bildungsmäßig geringere Chancen hätten, liegt der Bürgerstiftung besonders am Herzen. Zusätzlich beteiligte sie sich am Kreativwettbewerb „Respekt“, den die Initiative „Respekt tut gut. In Haltern“ ausgelobt hatte. Der interaktive Themenabend zu dem Buch „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ in einer alternden Gesellschaft mit dem Autor Prof. Sebastian Kurtenbach fand große Beachtung. Das Honorar übernahm die Bürgerstiftung. 

Seit 20 Jahren bleibt als Schwerpunkt die Hilfe für Mitbürger, die am Rande der Armutsgrenze leben und in akute Notlagen geraten sind, wofür 2025 fast 20.000 Euro gebraucht wurden. Mehrere Familien erhielten Unterstützung bei drohender Stromsperre oder für ein defektes Haushaltgerät. Bei zwei Familien wurden die z.T. unfassbar leeren Kühlschränke mit Lebensmitteln gefüllt. Vier Kindern wurde eine zweiwöchige Ferienfreizeit ermöglicht und ein Kind konnte doch mit zur Kassenfahrt, denn Teilhabe ist so wichtig. 

Der Gesundheitsbereich wurde ebenfalls bedacht. Die Defibrillatoren aller 15 Sporthallten brauchten neue Batterien und Klebeelektroden, deren Kosten übernommen wurden. Der Malteser Hilfsdienst in Haltern freute sich über die Anschaffung eines Zoll AEF-Defibrillators, moderne Technik, die eine große Hilfe bei der Arbeit der Malteser vor Ort ist. Dem psychologischen Beratungszentrum in Haltern fehlte noch Geld für neue Hard- und Software. 

Frau Tuschewitzki informierte auch darüber, dass es jeweils aus beruflichen und privaten Gründen einen Wechsel in den Gremien gab. Maik Schrief, bisheriger Geschäftsführer und Anna Schlichting wechselten vom Vorstand in den Stiftungsrat. Es wurden dort zwei Plätze frei, da sich Helmut Kanter und Dirk van Buer nicht mehr zur Wahl stellten. Für die Geschäftsführung konnte Stefanie Frölich, Bankfachwirtin und zertifizierte Vermögensplanerin bei der Volksbank Westmünsterland gewonnen werden. Zum Abschluss bedankte sich Frau Tuschewitzki bei allen Stiftern, Spendern und Gremienmitgliedern für Geld- und Zeitspenden, wodurch viel Gutes in Haltern gestiftet werden kann. Beim anschließenden Imbiss und erfrischenden Getränken wurde die Gelegenheit ausgiebig genutzt, lebhaft in den Austausch zu kommen.