Namensfond
Alexander-Lebenstein-Stiftung

„Ihr könnt nichts dafür, was geschehen ist; ich war dabei und konnte es nicht verhindern. Aber wir können gemeinsam alles tun, dass sich Solches nie wiederholt.“
Alexander Lebenstein zu Halterner Schülern

Alexander-Lebenstein-Stiftung

Der Namensfonds wurde im Sommer 2010 auf der Grundlage eines 30.000 US-Dollar-Erbes des ehemaligen jüdischen Mitbürgers gestiftet. Er fördert Projekte, die zur Überwindung von Diskriminierung und Rassismus beitragen und die insbesondere Jugendliche zum friedlichen Miteinander aller Menschen und Kulturen erziehen, zu einem Leben in gegenseitiger Achtung und Würde. Dazu gehört, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten.

Halterner Bürger haben Alexander Lebensteins Erbe (umgerechnet 21.923,99 Euro) aufgestockt, damit ein Namensfonds gegründet werden konnte – als Zeichen, dass sie hinter den Zielen stehen und als Wertschätzung des verstorbenen ehemaligen jüdischen Mitbürgers.

Alexander Lebenstein (* 3. November 1927, + 28. Januar 2010 in Richmond/Virginia) hatte als einziger in Haltern geborener Jude die Gräuelzeit der Nationalsozialisten überlebt. Auch er war mit seiner Mutter und seinem Vater von den Nazis vertrieben und mit 11 Jahren in ein „Judenhaus“ an der Münsterstraße, 1942 in das Konzentrationslager nach Riga verbracht worden. Dort starb sein Vater bald an den unhygienischen Verhältnissen. Alexander kam in ein Arbeitslager, als er zurück kam, war seine Mutter nicht mehr in Riga. Es hieß, sie sei in ein anderes Lager gebracht worden. Später erfuhr der Sohn, dass die Mutter „in einen Wald gebracht wurde und nie wieder gekommen ist“.

1945 befreiten die Russen das Lager. Der 17jährige kehrte nach Haltern zurück, fand sein Elternhaus verkauft vor. Der von den Allierten eingesetzte Bürgermeister gab dem Jungen zu verstehen, dass er nichts für ihn tun könne. Ein weiteres Mal tief verletzt, ging Alexander Lebenstein in ein Lager nach Bayern, 1949 in die USA, wohin 1939 seine Schwester Alice emigriert war.

Alexander Lebenstein weigerte sich lange, deutsch zu sprechen, deutsche Waren zu kaufen oder zu essen. Auch alle Einladungen, nach Haltern zu kommen, beispielsweise zur Feier 700 Jahre Stadt Haltern im Jahr 1989, lehnte er strikt ab. 1995 aber kehrte er erstmals nach Deutschland zurück: Schüler der Hans-Böckler-Kollegschule hatten ihm geschrieben, dass sie gerne von ihm hören möchten, was geschehen war. Alexander Lebenstein ließ sich von seiner Familie überzeugen, dem Ruf der Jugendlichen zu folgen. Dieser Aufenthalt veränderte sein Leben vollkommen.

„Diese erste Sitzung mit diesen Jungen, die so verletzt waren und nach Antworten darauf suchten, was in Deutschland schief gegangen war, ließ mich begreifen, dass wir ein Bedürfnis nach der Versöhnung teilten. Ich sah, dass wir einander helfen konnten, um unseren gegenseitigen Schmerz zu überwinden“, schrieb Alexander Lebenstein danach. „Ich sah hier eine Situation, bei der man nur gewinnen konnte. Ich konnte ihnen helfen, von der Schuld zu heilen, die sie von den Handlungen ihrer Vorfahren trugen und sie konnten mir helfen zu lehren, dass mein Hass und meine Wut mich schließlich zerstören würden. Ich sah auch, dass die Studenten in dieser Schule von mir über das jüdische Leben in Haltern vorher und während des NS Regimes aufrichtig gelehrt werden wollten und sie wissen wollten, wie ich überlebt hatte.“

Weiter: „Der Besuch und der Austausch mit den Studenten gab mir eine neue Perspektive und eine neue Mission im Leben. Anstatt die Wut und den Hass von der Vergangenheit zu pflegen, widme ich jetzt meine Zeit dem Sprechen an Kirchen, Schulen, Bibliotheken und am Holocaust Museum Virginia. Leute aller Alter, Rassen, Religionen und ethnischer Hintergründe besuchen meine Vorträge. Ich erzähle ihnen, wie wichtig es ist, gegen die ersten Zeichen der Intoleranz und des Urteilsvermögens zu kämpfen. Von der Vergangenheit haben wir gesehen, wie dieser Krebs wächst. Hass wird nur den Hasser zerstören.“

Alexander Lebenstein kam nun wiederholt nach Haltern, gegenseitige Wertschätzung und Sympathie wurden immer größer. Eine besondere Beziehung wuchs zur Städtischen Realschule Haltern, eine „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“.

Die Realschule wurde nach Alexander Lebenstein benannt, auf dem Schulhof ein Güterwaggon der Bahn, wie sie ehemals zur Deportation der Juden eingesetzt waren, als „Ort zum stillen Gedenken“ aufgestellt. Ein solcher Waggon steht inzwischen auf Initiative der Schule und durch weitere Unterstützung aus Haltern vor dem Virginia Holocaust-Museum in Richmond.

2008 wurde Alexander Lebenstein zum Ehrenbürger der Stadt Haltern am See ernannt. Er nahm die Ehrung an, obwohl auch Adolf Hitler in der Nazizeit Ehrenbürger der Stadt war. Als die Redaktionsleiterin der WAZ Haltern, Beate Mertmann, ihn nach den Gefühlen dazu fragte, erklärte er: „Man muss akzeptieren, dass es Schlimmes gegeben hat, aber auch, dass es vorbei ist – und anerkennen, dass sich gutes Neues entwickelt. Aus diesem Grund nehme ich gerne die Ehrenbürgerschaft der heutigen Stadt Haltern an.“

Bei aller gegenseitiger Wertschätzung war es dennoch eine Überraschung, dass Alexander Lebenstein mit seinem Tod am 28. Januar 2010 der nach ihm benannten Realsschule 30.000 US-Dollar vermachte. Im Begleitschreiben seines Sohnes David heißt es: „Es war der liebevollste Wunsch meines Vaters, dass diese Geld – das Ergebnis von vielen Stunden des Leidens, des Bluts, des Schweißes und der Tränen – dazu verwendet wird, um die Realschule und ihre Arbeit weiterhin zu unterstützen, so dass diejenigen, die ihn überleben, weiterhin damit fortfahren, ihre eigenen persönlichen Geschichten zu erzählen – und seine Geschichte, um weiterhin Rassismus und Intoleranz auf der ganzen Welt zu bekämpfen.“

Um diesem Wunsch dauerhaft nachkommen zu können, wurde am 25. November 2010 die Alexander-Lebenstein-Stiftung in der Bürgerstiftung Halterner für Halterner gegründet. Der Namensfonds wird kostenfrei von der Bürgerstiftung verwaltet, ein dreiköpfiger Beirat sorgt für die Umsetzung der Ziele. Der Beirat besteht aus dem damaligen Schulleiter Michael Weiand auf Lebenszeit (Foto oben mit Alexander Lebenstein), aus Dr. Robert Seidel (Foto unten li.), der sich als Lehrer an der Realschule in besonderer Weise für diese Ziele einsetzt, sowie aus dem jetzigen Schulleiter Frank Cremer (Foto unten rechts)

Spenden oder Zustiftungen an: Bürgerstiftung Haltern
Stichwort: Alexander-Lebenstein-Stiftung

Stadtsparkasse Haltern am See 
IBAN:
DE09 4265 1315 0000 0885 00 
BIC: WELADED1HAT 

Volksbank Haltern eG
IBAN:
DE50 4266 1330 0140 8008 00 
BIC: GENODEM1HLT

 

Stiften auch Sie mit uns Gutes in Haltern am See!