Die Bürgerstiftungen

„Bürgerstiftungen sind Ausdruck von Freiheit und Verantwortung, sind gelebter Bürgersinn, ein Beispiel, dass Menschen sich umeinander kümmern und soldidarisch zusammenhalten.“ Stiftungsrechtsexperte Prof. Dr. Bernd Andrick.

Besonderheiten einer Bürgerstiftung

Prof. Dr. Andrick, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, sagte beim Gründungs-Festakt der Bürgerstiftung Halterner für Halterner weiter: „In den vergangenen Jahrzehnten hat ein ,sanfter Verlust von Freiheit’ stattgefunden. Der Staat hat viele, wahrscheinlich zu viele Aufgaben übernommen. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass ihr Engagement und ihre Initiative allenfalls begrenzt gefragt ist. Diesen Staat mit riesigem Leistungsvolumen gibt es jedoch nicht mehr.“ Die Rückbesinnung auf Eigeninitiative der Bürger/innen sei jedoch nicht nur eine Notwendigkeit der Zeit: „Dieser Zusammenhalt kann weder ,von oben’ verordnet, noch kann er vom Staat organisiert werden. Wohl aber können ihn engagierte Menschen stiften – vor Ort, wo man sich kennt.“ Es mache Mut, „dass in heutiger Zeit diejenigen, die können, auch anpacken: Mit Zeit, mit Geld, mit ihren Fähigkeiten“.

Eine Bürgerstiftung ist „auf Ewigkeit“ angelegt, deshalb darf das Stiftungskapital nicht angetastet werden. Sie engagiert sich ausschließlich im lokal begrenzten Raum. Die Ziele sind in der Satzung festgelegt; diese werden ausschließlich durch die Erträge des Stiftungskapitals sowie durch Spenden verfolgt.

Eine Bürgerstiftung ist frei von jeglicher Einflussnahme durch staatliche Instanzen, politische Organisationen oder auch einzelne Stifter.

Sie engagiert sich ausschließlich in einem geografisch begrenzten, das heißt in einem lokalen oder regionalen Wirkungskreis.

Sie darf in keinem Fall staatliche Pflichtaufgaben ersetzen.

Sie tritt nicht in Konkurrenz zu anderen Organisationen auf, kann aber Netzwerke bilden oder unterstützen.

Da Bürgerstiftungen den Blick ausschließlich auf die Anforderungen vor Ort richten, können sie oft schneller und effektiver handeln als staatliche Instanzen. Eine Bürgerstiftung macht ihr Wirken öffentlich. Es unterliegt zudem der Stiftungs-Aufsicht des Landes.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der Initiative Bürgerstiftungen: www.die-deutschen-buergerstiftungen.de oder bei der Aktiven Bürgerschaft e.V. www.aktive-buergerschaft.de


Historie
Seit den 1990er Jahren haben sich Bürgerstiftungen weltweit verbreitet. Dies hätte sich Frederick Harris Goff, der „Erfinder“ der Bürgerstiftung wohl nicht träumen lassen, als er 1914 im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio die Cleveland Community Foundation ins Leben rief. Der Bankier und Rechtsanwalt wollte mit einer unabhängigen lokalen „Stiftung von Bürgern für Bürger“ Philanthropie effektiver gestalten. Auslöser war, dass die Bank, in der Goff arbeitete, zahlreiche gemeinnützige Stiftungen treuhänderisch verwaltete. Viele dieser Stiftungen sollten Zwecke oder Institutionen fördern, die nach dem Tod der Stifter obsolet geworden waren. Die „dead hands of the past“, der obsolet gewordene Stifterwille, erschwerten es oder machten es gar unmöglich, die Mittel auszuschütten. Goffs Vision war, die gemeinnützigen Mittel lebender und verstorbener Stifter dauerhaft in einer gemeinsamen Stiftung zu bündeln und die Erträge bestmöglich für das Gemeinwohl in Cleveland einzusetzen.
 
Fast 100 Jahre nach Gründung der Cleveland Community Foundation ist Goffs Vision Wirklichkeit geworden.

Stiften auch Sie mit uns Gutes in Haltern am See!

Bürgermeister dankt Bürgern

Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel sagte bei der Gründungsfeier am 16. Juni 2006:
 

„Als Bürgermeister kann ich nur erfreut und stolz darüber sein, was beherzte und mutige Bürgerinnen und Bürger in verhältnismäßig kurzer Zeit, in nur wenigen Monaten, auf die Beine stellten. Ich hatte fast den Eindruck, man hat hier bei uns in Haltern am See förmlich auf diese Initiative gewartet.“

Die Halterner Gründungsstifter hätten „die richtige Antwort auf die aufrüttelnden Worte gegeben, die John F. Kennedy schon 1961 bei seiner Amtseinführung als amerikanischer Präsident gestellt hat: Statt zu fragen, was der Staat für mich tun kann, zu fragen: Was kann ich für den Staat tun?“